Leiden Ostdeutsche härter unter den Folgen des Lockdowns?

Den Osten der Republik treffen die wirtschaftlichen Folgen des Lockdowns besonders hart. Denn gerade im Osten sei das Risiko von Unternehmensschließungen besonders groß, sagt zumindest der Vizechef vom Institut für Wirtschaftsforschung in Dresden Joachim Ragnitz.

Doch warum ist das so? Die Erklärung scheint auf der Hand zu liegen. Die großen deutschen Unternehmen mit besonders hohem Kapitalfluss, beispielsweise aus der Automobilbranche, sind im Westen der Republik ansässig. Im Osten findet man zumeist nur Ableger, wie das BMW- oder Porsche-Werk in Leipzig zeigen. Kleinere und mittelständische Unternehmen prägen hingegen die Wirtschaftslandschaft in Ostdeutschland. Das hat für die regionale Verbundenheit zwar große Vorteile, in anhaltenden wirtschaftlichen Krisen aber erhebliche Nachteile.

Was können die Unternehmen in Ostdeutschland gegen diesen Nachteil tun? Sich vielleicht in übergeordnete Organisationen zusammenschließen, um Forschung und Entwicklung gemeinsam anzutreiben?

Besonders dramatisch ist außerdem, dass die finanziellen Rückladen bei kleineren oder mittelständischen Unternehmen im Osten geringer sind als im Westen. Das liegt daran, so Ragnitz, dass „die Einkommen, aus denen Ersparnisse gebildet werden können, niedriger sind.“ Die unterschiedliche Höhe der Löhne ist lange bekannt. Doch auf so eine schwere Krise, wie sie uns jetzt im Griff hat, kann man sich ohnehin nur sehr schlecht vorbereiten. Es ist Aufgabe der Politik, für das Überleben der regionalen Wirtschaftsstrukturen zu sorgen.

Die Befürchtung, dass es also in Folge des Dauer-Lockdowns zu Unternehmensschließungen kommen wird, ist mehr als berechtigt. Gerade die Reise- und Tourismusbranche ist neben dem Gastronomiegewerbe besonders gefährdet. Niemand weiß, wann man wieder entspannt im Biergarten oder im Café sitzen kann. Von Urlaubsreisen ganz zu schweigen.

Mit Kurzarbeit wird zwar ein Großteil der Arbeitslosigkeit abgefangen. Doch was, wenn der Lockdown weiter anhält und die Unternehmen die Sozialversicherungsbeiträge ihrer Mitarbeiter in Kurzarbeit ab Juli wieder selbst zahlen müssen?

https://www.lvz.de/Region/Mitteldeutschland/ifo-Vizechef-Joachim-Ragnitz-im-Interview-zur-Corona-Folgen-Hoeheres-Insolvenzrisiko-in-Ostdeutschland